Liedinterpretation: Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt

 

Das Frauenbild der 20er Jahre

 

Denkschrift zur Einführung des deutschen Muttertags (1926):

 

Die Frau denkt nicht mehr an Familienplanung. Im Gegenteil, Abtreibungen übertreffen die Geburten. Sie hat keine Lust mehr auf Verpflichtungen und Verantwortungen für das Kind. Die Unmoral der Frau wird von zwei Seiten unterstützt: einerseits  von Amerika, durch die Industrialisierung und andererseits vom Osten, dem Ort an dem die „Sexmoral“ aufgelöst ist. Aber das will man mit dem Muttertag ändern. Die Frau soll als Mutter geehrt werden. Es ist ein „Kampf um die Seele“. Hier wünscht man sich die liebe und gehorsame Frau. Ein Ideal, dass in den Goldenen 20ern von den Frauen gerne verdrängt wird.

 

Film: „Der blaue Engel“, Lied: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“

 

In diesem Film wird zwar auch das verdorbene Frauenbild vermittelt, aber man ist glücklich darüber. Die Frau ist schön und reizvoll, aber ebenso auch gefährlich. Hier wird nicht mehr vermittelt, dass die Frau Mutter und Gattin sein soll. Spaß hat hier eine hohe Priorität.

 

 

Lieder

 

àWir haben zwei Liederbeispiele. Beide vertreten unterschiedliche Frauenbilder.

 

Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt

 

In diesem Lied geht es darum, dass jemand nichts anderes kann als lieben. Aber es wird vom Plural des Mannes geredet, also hat die Person Liebe für mehrere Männer. Dieses Lied singt die Lola Lola, eine Tänzern in einem Lokal.

 

Das Lied hat eine provokante Wirkung, da Lola Lola in dem Lied von eher körperlicher Liebe singt und Männer in eine „Falle“ lockt. Es klingt sehr selbstsicher und aufdringlich. Auf Männer wirkt es eher anziehend, doch auf Frauen eher abstoßend und billig. Es ist eine übertriebene Darstellung einer „neuen“ Frau in den 20er Jahren. Wenn man das Lied hört, kann man sich die Melodie leicht einprägen und theoretisch mitsingen.

Das Lied zeigt eine andere Seite der Weimarer Republik:  Die Frau als vergnügliche Tänzerin, Genießerin und auch unberechenbar (siehe Film)  Das ist das andere Frauenbild.

In der Szene tanzt die Lola Lola und singt das Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Sie tanzt in einer Show und man kann sehen, dass sie voll und ganz in ihrem Metier ist: Lust und Liebe. Es ist eine aufwendige Bühnendekoration und im Hintergrund weitere Tänzerinnen, die allerdings nicht so hübsch sind, wie die Lola Lola.

 

Das gibt’s nur einmal

 

Die Sängerin Lilian Harvey singt von Liebe, und dass es sie nur einmal im Leben gibt. Es ist ein schönes Gefühl, man ist verwirrt und träumt nur noch. Es scheint alles sehr unwirklich und wie in einem Märchen. Diese eine Liebe soll und wird ewig halten.

 

Die Musik wirkt hier völlig anders, als bei Lola Lolas Lied. Durch die blumige Melodie bekommt man ein unangenehmes Gefühl von Kitsch. Das Lied ist zu übertrieben schön und träumerisch. Außerdem ist es durch die hohen Töne anstrengend anzuhören. Dieses Lied stellt die gewünschte Frau in der Weimarer Republik dar. Eine Frau mit romantischen Vorstellungen, geordneter Liebe und nur einem Mann im Leben. (Siehe Frauenbild Nr. 1) 

 

Wenn man nun die beiden Lieder vergleicht, kann man feststellen, dass sie völlig verschiedene Frauenbilder verkörpern. Uns, Isabell und Vanessa hat das erste Lied besser gefallen, denn das Lied hört sich besser an und auch der Text entspricht eher unserer Meinung.

 

Die Lieder gehören beide zur Massenkultur, weil sie alle Menschen ansprechen können, weder gibt es ausgefallene Instrumente, noch Texte. Je nach Geschmack einer Person kann man zwischen den Lieder auswählen.

 

Marlene Dietrich

 

Marlene Dietrich wurde am 27. Dezember 1901 in Schöneberg, Berlin geboren. Sie starb am 6. Mai 1992 in Paris.

Sie war eine deutsch-amerikanische Schauspielerin und Sängerin.

Ihr gelang der Aufstieg zur international berühmten Künstlerin und als erster Deutscher, ein Star in Hollywood zu werden.

Ihre Eltern waren Louis Dietrich und Wilhelmine Dietrich. Sie hatte eine Schwester Elisabeth. Später heiratete sie Rudolf Sieber.

1918 bekam Marlene Dietrich an der Musikhochschule in Weimar eine Ausbildung zur Konzertgeigerin. 1921 musste sie wegen Sehnenentzündung abbrechen.

Bei einem Vorsprechen am Deutschen Theater wurde sie von Theaterregisseur Max Reinhardt für ihre erste Bühnenrolle engagiert und besuchte seine Schauspielschule in Berlin. 1923 spielte sie erste Stummfilme.

Hauptrollen :

 "Café Elektric", "Der blaue Engel" (Durchbruch: Der Film wurde in deutscher und englischer Sprache gedreht), "Der große Bluff" (in den USA)

Dietrich folgte ihrem Regisseur nach Amerika und unterschrieb bei Paramount Pictures. Für ihre Rolle im Film Marokko wurde sie für den Oscar als beste Hauptdarstellerin des Jahres 1930 nominiert. Sie nahm 1939 sie auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Dort entwickelte sie ein politisches und soziales Engagement gegen das NS- Regime

Am Ende ihrer Karriere wurde sie alkoholabhängig und Tablettensüchtig. Sie verzog sich in eine Pariser Wohnung und lebte dort 11 Jahre lang bis zu ihrem Tod.

 

Der blaue Engel

In diesem Film spielte Marlene Dietrich die Rolle der Lola Lola. Unser Lied stammt aus diesem Film. Es geht darum, dass sich ein pedantischer und verschrobener Lehrer, Rath, in eine Tänzerin im Club „Der blaue Engel“ verliebt, als er sie wegen Unzucht zur Rede stellen will. Daraufhin  quittiert er seinen Dienst und heiratet die Lola Lola. Diese liebt ihn allerdings nur wegen dem Geld und als es nichts mehr zu holen gibt, geht es mit der Ehe bergab. Als Rath entdeckt, dass seine Frau mit einem anderen Mann anbändelt, versucht er sie zu erwürgen. Allerdings missglückt die Tat und es stirbt in seinem alten Klassenzimmer.